Plastik
Plastik "Wege"
Am 10. November 1938 erreichte die antisemitische Gewaltwelle auch den heutigen Iserlohner
Stadtteil Letmathe. Schergen des NS-Regimes drangen in zwei Wohnungen in der
Bahnhofstraße und in der Hagener Straße ein und zerstörten Privatbesitz
und Mobiliar der dort lebenden jüdischen Mitbürger. Die gewaltsamen
Ausschreitungen der Novemberpogrome sind nicht nur sichtbarer Höhepunkt einer
politischen Zeitenwende, sie stellen darüber hinaus auch einen entscheidenden
Wendepunkt in den Biografien der Letmather und Millionen weiterer europäischer Juden
dar.
Flucht, Vertreibung, Deportation
Für viele beginnt ein Weg in die Vernichtung, einige entscheiden sich für die
Flucht. Die Fluchtwege wiederum führen nur einige in die Freiheit. Für viele
andere wird der vermeintliche Fluchtweg nur zu einem Umweg in die Konzentrationslager.
Ob Fluchtversuch oder Deportation - immer mussten Menschen ihr geliebtes Umfeld, Verwandte
und Freunde zurücklassen auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft.
Die Schiene als Sinnbild
Meine Plastik "Wege", die seit dem 29. Oktober 2009 in der Letmather Friedenskirche
installiert ist, nutzt ein Stück Eisenbahnschiene als Sinnbild der Flucht, der
Vertreibung und der Transporte in die Vernichtungslager. Im Schienensteg - jenem Bestandteil
der Schiene, der physikalisch die gesamte Last der Bahntransporte tragen muss - sind die
Adressen der 1938 in Letmathe lebenden Juden ausgespart.
Bibelzitat als Mahnung
Gleichsam als hätten tausende Eisenbahnräder sie in den Schienenweg
eingedrückt, sind in den Schienenkopf die mahnenden Worte "TU DEINEN MUND AUF FÜR
DIE STUMMEN" (Sprüche Salomos 31,8) eingelassen. Die Worte dienen nicht nur der
mahnenden Erinnerung, sie fordern uns auch heute auf, Augen und Mund zu öffnen gegen
Ungerechtigkeit und Gewalt.